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CVJM Baden Aktuell

Unterwegs in London und Oxford

Mit Gründergeist und YChurch Baden auf FreshX-Reise

Ende Oktober waren Göran John, Helen Härer und Salome Zeitler als YChurch Baden gemeinsam mit weiteren Köpfen der Gründergeist-Bewegung auf einer FreshX-Reise des FreshX-Vorstands Deutschland nach England unterwegs. Eine Woche lang durften wir in London und Oxford FreshX-Luft schnuppern – dort, wo die FreshX-Bewegung ihre Wurzeln und ihre pionierhafte Wirkungsstätte hat.

 

 

Worum es ging


Die FreshX-Bewegung hat in England ihre Wurzeln, und auch in Deutschland hat sie wesentliche Impulse für Kirchenerneuerung und vor allem auch eine „Theologie der Innovation“ gebracht. Hier begannen Menschen in Erprobungsräumen und „Neuen Formen von Kirche“ mutig, Kirche in missionalen und kontextuellen Formen zu denken, umzusetzen und zu kirchenfernen Menschen aufzubrechen. Beeindruckend und deutlich spürbar war die anglikanische Fähigkeit, traditionelle Liturgie, sakrale Räume und moderne, lebensnahe Formen von Kirche miteinander zu verbinden. Immer wieder wurde deutlich: Die Zukunft liegt in einer mixed ecology – einem vertrauensvollen Miteinander von bewährten kirchlichen Formen und neuen Ausdrucksweisen.

 

Das Hauptziel unserer Reise war – neben dem Kennenlernen einiger Gründungen – der Austausch mit Menschen, die pionierhafte Projekte begleiten und beraten. Besonders prägend waren zwei Tage bei der CMS (Church Mission Society) in Oxford, da Tina Hodgett und Jonny Baker dort viel in Kurse, persönliche Begleitung und Materialien für Pioniere investieren. Ein besonderes Highlight war auch das Treffen mit dem britischen FreshX-Vorstand, der von aktuellen Entwicklungen berichtete. Aktuell viel diskutiert wird dort die sogenannte „Quiet Revival“-Studie: Sie zeigt eine leise, aber spürbare neue Offenheit für Glauben – mit steigenden Taufzahlen und neuen geistlichen Suchbewegungen.

 

Zwei persönliche Eindrücke


Salome Zeitler (YChurch Baden):

 

Mich hat besonders eine Gemeindegründung in einem prekären Viertel am Rande Londons beeindruckt. Ein einladender, lebensnaher Gottesdienst, Übersetzungen per Handy, ein liebevolles Kinderprogramm und im Anschluss ein gemeinsames Essen – auch, um denen etwas anzubieten, die für den Gottesdienst auf ihre einzige warme Mahlzeit des Tages verzichtet hatten.

Außerdem begeistert mich Tina Hodgetts Bild vom „Playground“. Sie beschreibt Gründersituationen als Spielplatz: die Arbeit mit den Augen eines Kindes betrachten – neugierig, forschend und voller Freude am Entdecken. Wie oft wird unsere CVJM-Arbeit zu einem „To Do“, das eben erledigt werden muss? Lasst uns Freiraum in unseren CVJMs schaffen. Freude an dem finden, was wir tun. Mit Entdeckergeist und wachen Augen durch unsere Nachbarschaft gehen. Ein beeindruckender Gedanke und starkes Gegenbild zum kirchlichen Pflichtprogramm.

 

 

Göran John:

 

Zwei Erkenntnisse haben mich nicht mehr losgelassen für Gründergeist und die FreshX-Bewegung in Baden. Auch in England pendelt der Zukunftsprozess von Kirche – wie bei uns in Baden – zwischen „Kontextorientierung“ und „Mitgliederorientierung“. Also zwischen den Personengruppen, an denen sich kirchliches Handeln und Verkündigung ausrichten. Und auch die Frage ist drängend, ob „Worship first“ (Gottesdienst) oder „Service first“ (Dienst am Nächsten) die richtige Haltung bei der „Neugründung“ ist. Also mit welcher Lebensäußerung Kirche zuerst in Erscheinung tritt.

 

Von der Fresh Expression of Church-Bewegung haben wir gehört, dass beides in England eine Rolle spielt und sogar das Pendel mehr in Richtung „worship community“ schwingt. Ziel der anglikanischen Kirche ist es, in der nächsten Dekade 10.000 neue gottesdienstliche Angebote zu gründen. Das Pendel scheint derzeit wieder Richtung „klassischer Kirchenentwicklung“ zu schlagen – auch aus finanziellen Gründen, weil sich in traditionellen gottesdienstlichen Versammlungen besser Spenden generieren lassen. Trotzdem bleibt der Gedanke einer vielgestaltigen Landschaft zentral: die sogenannte mixed ecology, also das vertrauensvolle und ergänzende Miteinander von bewährten und parochialen Formen sowie neuen Formen von Kirche. Das Mischwaldprinzip bleibt ein wichtiges Zielbild.

 

Letztlich war mein positives Gefühl, dass wir – auch wenn England an Impulskraft verliert und ein Generationswechsel in der FreshX-Bewegung ansteht – in Deutschland und besonders in Baden mit Erprobungsräumen und Neuen Formen von Kirche gerade jetzt auf dem richtigen Weg sind. Wir brauchen beides. Gleichzeitig. Einen Strategieprozess, der parochiale Strukturen neu definiert und entwickelt, und einen missionalen Innovationsprozess, der Kirche im Sozialraum nach anderen Kategorien neu glaubt, baut und lebt. Und was bietet sich dazu mehr an als ein Fokus auf Gründer – Menschen, die Kirche neu denken und machen wollen. Hier haben wir die Typen im Blick – und was am Ende dabei „rauskommt“, ist die Sache des Heiligen Geistes. Die Engländer sagten: Wir schauen nun zu euch nach Deutschland und lernen von euch.

 

Mein Herzensprojekt, in dem beide „Konzepte“ am deutlichsten sichtbar und spürbar waren, war eine CaféKirche „HOME“ am Rand von London. HOME ist ein Ort, an dem alle willkommen sind: ein lebhaftes, gemeinnütziges Café und ein Gemeinschaftsraum im Herzen von Earlsfield. Die Qualität der Speisen – frisch und saisonal – steht im Mittelpunkt. Das Zentrum ist ein „safe space“, ein sicherer Ort, mit Menschen, die offene Ohren und Herzen haben. Gewinne werden wieder in die Gemeinschaft investiert. Unterschiede werden gefeiert, um an Gemeinsamkeiten zu wachsen und einander zu entwickeln. Gastfreundschaft und eine Kultur der Beteiligung führen zu Würde, Hoffnung, Zugehörigkeit und Sinn.

Besonders ist das Miteinander im Gebäude: Dort befindet sich ebenso eine klassische anglikanische Kirche. Abgetrennt und doch spürbar und sichtbar durch eine Zwischenwand bleibt im vorderen Bereich ein Sakralraum mit Altar und Bänken, während sich im hinteren Teil das HOME befindet – mit Restaurant-, Spiele- und Coworkingbereich, gestaltet als sozialdiakonischer Treffpunkt für den Stadtteil. Ein Miteinander von Worship und Service. Von Gottesdienst und Dienst am Kontext. Von diesen Kirchen träume ich – von Kirchen, in denen sich Anbetung, missionale Formen von Kirche und Nächstenliebe verbinden. Gemeinschaften, von denen Gnade ausgeht, die auch noch reicht, um das Umland zu bewässern und dort Kirche zu sein, wo Jesus sie hinführt.

 

Salome Zeitler, YChurch Baden & Göran John, FreshX Baden –
beide Teil der Bewegung Gründergeist


www.gruendergeist.info